{"id":3214,"date":"2011-09-13T14:27:29","date_gmt":"2011-09-13T14:27:29","guid":{"rendered":"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/?p=3214"},"modified":"2011-09-13T14:27:29","modified_gmt":"2011-09-13T14:27:29","slug":"arztliche-intuition-als-professionelle-entscheidungshilfe-%e2%80%9ewir-wissen-mehr-als-wir-sagen-konnen%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/?p=3214","title":{"rendered":"\u00c4rztliche Intuition als professionelle Entscheidungshilfe. \u201eWir wissen mehr, als wir sagen k\u00f6nnen\u201c."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Dr. Andreas Zeuch \u00fcber \u00e4rztliche Intuition als Entscheidungshilfe\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/Andreas_Zeuch_2.jpg\" alt=\"\" width=\"139\" height=\"164\" \/><br \/>\n<strong>Am 12. Juni 2011 erschien in diesem Blog ein Artikel \u00fcber die Rolle des Wissens bei <a href=\"http:\/\/www.aerztekammer-bw.de\/15\/02gesundheitstipps\/g_m\/leitlinien.html\" target=\"_blank\">\u00e4rztlichen Leitlinien<\/a>. Die Autorin Cornelia Bajic zitierte die Ergebnisse einer <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/v4\/archiv\/artikel.asp?src=suche&amp;p=leitlinien+studie&amp;id=80613\" target=\"_blank\">repr\u00e4sentativen Studie<\/a>, derzufolge Wissen einen \u00fcberraschend kleinen Einfluss auf die Umsetzung von Leitlininen habe. Zur Erinnerung nochmals kurz die Ergebnisse in verdichteter Form.<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/?p=2438\" target=\"_self\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Cornelia Bajic - Medizinische Leitlinien: Wissen hat m\u00f6glicherweise wenig Einfluss auf die \u00e4rztliche Leitlinienumsetzung\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/094_Bajic_medizinische_Leitlinien.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"355\" \/><\/a><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<span style=\"color: #333399;\"><em>\u201eNur 40 Prozent der &#8230; an der Studie teilnehmenden \u00c4rzte verf\u00fcgten definitionsgem\u00e4\u00df \u00fcber eine ad\u00e4quate Leitlinienkenntnis. Trotzdem setzten \u00c4rzte mit und ohne Leitlinienwissen die Empfehlungen in 12 von 16 Indikatoren nahezu gleich um. Vier Indikatoren wurden von \u00c4rzten ohne \u201ead\u00e4quate Leitlinienkenntnis\u201c sogar zu einem h\u00f6heren Anteil erf\u00fcllt.<\/em><\/span><\/p>\n<p>(Bajic, C. 2011: <a href=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/?p=2438\" target=\"_self\">Medizinische Leitlinien: Wissen hat m\u00f6glicherweise wenig Einfluss auf die \u00e4rztliche Leitlinienumsetzung.<\/a> DZVh\u00c4 Hom\u00f6opathie.Blog, 12. Juni 2011).<\/p>\n<p>Daraus leitete die Autorin eine zentrale Frage ab:<span style=\"color: #333399;\"><em> \u201eF\u00fchren demnach viele Wege nach Rom \u2013 neben Leitlinienwissen auch \u00e4rztliche Qualifikation, Erfahrung und Intuition?\u201c<\/em><\/span> <span style=\"color: #993300;\"><strong>Die Antwort ist denkbar einfach: Ja.<\/strong><\/span> Die Frage nach dem warum ist indes ein wenig komplizierter. Genau darum geht es in diesem Artikel.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2>Vier Erkl\u00e4rungsmodelle<\/h2>\n<p>Es war der ungarische-britische Chemiker und Philosoph <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Polanyi\" target=\"_blank\">Michael Polanyi<\/a>, der die neurologische Tatsache unserer unbewussten Wahrnehmung und Informationsverarbeitung hervorragend auf den Punkt gebracht hat. Seine Aussage, <span style=\"color: #333399;\"><em>\u201ewir wissen mehr, als wir sagen k\u00f6nnen\u201c<\/em><\/span> (Polanyi, M. 1985), trifft den Kern dessen, was f\u00fcr die von Cornelia Bajic aufgeworfene Frage die passende Antwort ist.<\/p>\n<p>Aus der Sicht der aktuellen <span style=\"color: #993300;\"><strong>Entscheidungs- und Intuitionsforschung<\/strong><\/span> ist es kein Wunder, sondern vielmehr vollkommen klar, dass \u00c4rzte auch ohne bewusste Leitlinienkenntnis, \u00fcber die sie in Tests etwas aussagen k\u00f6nnen, erfolgreiche Entscheidungen treffen. Nach dem heutigen Wissensstand k\u00f6nnen wir von mindestens vier Erkl\u00e4rungsmodellen intuitiver Entscheidungen ausgehen, die sich alle als <em>selbstorganisierte Informationsverarbeitung ohne bewusstes Wissen<\/em> zusammenfassen lassen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #333399;\">1. Unbewusste Wahrnehmung und Informationsverarbeitung<\/span><\/h2>\n<p>Der Kern dieses Paradigmas besteht darin, dass wir mehr Daten unbewusst wahrnehmen und verarbeiten, als bewusst. Das hei\u00dft auch, dass wir nicht nur bewusst lernen, sondern eben auch unbewusst. Historisch geht dieses Modell bis auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/William_James\" target=\"_blank\">William James<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sigmund_Freud\" target=\"_blank\">Sigmund Freud<\/a> zur\u00fcck, denen es jedoch in den Anf\u00e4ngen an experimenteller Validierung mangelte. Sp\u00e4ter wurde dann ein prototypisches Experiment dazu durch den amerikanischen Psychologieprofessor <a href=\"http:\/\/academic.brooklyn.cuny.edu\/userhome\/psych\/areber\/index.htm\" target=\"_blank\">Arthur S. Reber <\/a>mit seiner Forschungsgruppe durchgef\u00fchrt.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Fotos von Sigmund Freud und William James\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/096_Sigmund_Freud_William_James.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"297\" \/><br \/>\n<em>Fotos: Sigmund Freud, William James &#8211; Quelle: WIKIMEDIA COMMONS<\/em><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><br \/>\n<strong>Das Experiment von Arthur S. Reber:<\/strong><br \/>\nDie Versuchspersonen lernten in einer ersten Phase solange eine erfundene, k\u00fcnstliche Sprache in Form einer Zeichenfolge (\u201eXCTTRS\u201c), bis sie einigerma\u00dfen aber nicht vollst\u00e4ndig die grammatischen Regeln beherrschten. In Phase 2 wurden den Versuchspersonen einfache S\u00e4tze in dieser k\u00fcnstlichen Sprache vorgelegt. Sie sollten deren Korrektheit mit einem einfachen \u201eJa\/Nein\u201c innerhalb weniger Sekunden beurteilen. Das Zwischenergebnis: \u00dcberzuf\u00e4llig viele Versuchspersonen l\u00f6sten diese Aufgabe richtig! Dies k\u00f6nnte nicht der Fall sein, wenn wir nur bewusst wahrnehmen und Informationen verarbeiten w\u00fcrden, denn in der ersten Phase wurde den Versuchspersonen nicht alle Regeln bewusst vermittelt. Noch \u00fcberraschender ist aber Folgendes: In Phase 3 sollten die Versuchspersonen erkl\u00e4ren, warum der jeweilige Satz falsch oder richtig ist. Das Ergebnis: \u00dcberzuf\u00e4llig viele Personen beantworteten diese Frage falsch! <span style=\"color: #993300;\"><strong>Sie verf\u00fcgten \u00fcber korrektes Wissen, sie entschieden und verhielten sich richtig, aber sie konnten nicht erkl\u00e4ren warum. <\/strong><\/span>Damit wird auch deutlich, dass bewusste Erkl\u00e4rungen von intuitiv-unbewussten Entscheidungen zu Fehlannahmen \u00fcber kausale Zusammenh\u00e4nge f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir lernen und verarbeiten also erstens Informationen und Zusammenh\u00e4nge unbewusst und k\u00f6nnen zweitens diese Informationen in Form unbewussten Wissens (\u201etacit knowledge\u201c) erfolgreich anwenden. F\u00fcr die berufliche Praxis bedeutet dies, dass auch Anf\u00e4nger erfolgreiche und richtige intuitive Entscheidungen treffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weitere Informationen dazu: <a href=\"http:\/\/www.psychophysik.com\/integral-blog\/?p=505\" target=\"_blank\"><strong>Erkl\u00e4rungsmodelle: Intuition &amp; unbewusste Wahrnehmung und Informationsverarbeitung<\/strong><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #333399;\">2. Erfahrungswissen<\/span><\/h2>\n<p>Wie alle anderen berufst\u00e4tigen Menschen auch, sammeln \u00c4rzte im Laufe Ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit unz\u00e4hlige Erfahrungen, die sie ebenso <em>bewusst <\/em>wie <em>unbewusst <\/em>verarbeiten. Je l\u00e4nger wir arbeiten, desto mehr Erfahrungswissen sammeln wir an. Dieses Erfahrungswissen steht uns dann in Form sogenannter Mustervergleiche (\u201epattern matching\u201c) zur Verf\u00fcgung. Dies l\u00e4sst sich gut an der Expertise von Schachgro\u00dfmeistern verdeutlichen. Im Gegensatz zum Anf\u00e4nger hat der langj\u00e4hrig erfahrene Schachexperte bis zu 50.000 Spielsituation gespeichert. In einem Spiel wird dann die aktuelle Situation mit den gespeicherten Konstellationen abgeglichen, so dass der Experte in sehr kurzer Zeit wesentlich effektivere Spielz\u00fcge vollzieht, als  es dem Anf\u00e4nger trotz langen bewussten Nachdenkens je m\u00f6glich w\u00e4re. Auch hier gilt: <span style=\"color: #993300;\"><strong>Der Experte kann die eigenen Spielz\u00fcge oft nicht erkl\u00e4ren, sondern f\u00fchlt sie.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Allerdings gibt es bei der Expertenintuition ein Problem: Wir neigen dazu, die Erfolge der Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben zu wollen. Dadurch kann es schnell zu Fehlentscheidungen kommen, weil wir mit dem unbewussten Mustervergleich relevante Unterschiede zwischen der aktuellen Situation und den gespeicherten (Erfolgs-) Erfahrungen \u00fcbersehen. In der ung\u00fcnstigsten Form machen wir aus unserer lebendigen, weil lernf\u00e4higen Expertise, eine innovations-feindliche Expertokratie. Will hei\u00dfen: Wir halten unser bestehendes Wissen f\u00fcr der Weisheit letzten Schluss und \u00fcbersehen Probleml\u00f6sungen oder Erkenntnisse, die mit dem bestehenden Wissen in Konflikt stehen. Das klingt vielleicht etwas abstrakt, f\u00fchrt aber tats\u00e4chlich zu teils massiven Problemen. Ein gutes Beispiel kommt aus der Medizin selbst:<\/p>\n<p>Es waren die beiden \u00c4rzte Barry Marshall und Robin Warren, beide KEINE Gastroenterologen, die doch die tats\u00e4chliche Ursache f\u00fcr Magenschleimhautentz\u00fcndungen und Magengeschw\u00fcre entgegen dem damals bestehenden Wissensstand herausfanden. Sie brauchten 26 Jahre, um sich mit Ihren empirisch fundierten Forschungsergebnissen gegen die Expertenwelt der Gastroenterologen durchzusetzen. Am Ende erhielten die beiden 2005 den Nobelpreis f\u00fcr Medizin und Physiologie f\u00fcr ihre Entdeckung von <em>Helicobacter Pylori<\/em> und dessen urs\u00e4chlicher Rolle bei den genannten Erkrankungen. Bis dahin ging die Fachwelt davon aus, dass die Ursache Stress, Alkohol und scharfe Speisen seien. Dies \u00e4nderte auch den Behandlungsstandard von operativen Eingriffen hin zu einer einw\u00f6chigen Antibiose.<\/p>\n<p>Weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.psychophysik.com\/integral-blog\/?p=470\" target=\"_blank\"><strong>Erkl\u00e4runggsmodelle: Intuition &amp; Erfahrungswissen<\/strong><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #333399;\">3. Spiegelneurone<\/span><\/h2>\n<p>Im ersten Moment mag der Begriff sonderbar klingen, ist aber tats\u00e4chlich wissenschaftlich fundiert. Der italienische Physiologie-Professor <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giacomo_Rizzolatti\" target=\"_blank\">Giacomo Rizzolatti<\/a> fand mit seiner Arbeitsgruppe heraus, dass bei einem Menschenaffen, der einen anderen beobachtet, dieselben Hirnareale aktiviert werden wie bei dem beobachteten Affen. Konkret: Ein Affe nimmt eine Nuss, steckt sie in den Mund, kaut und schluckt sie. Beim beobachtenden Affen wurden nun dieselben motorischen Hirnareale aktiv wie bei dem, der die Handlungen tats\u00e4chlich ausf\u00fchrte. Dies schien ein gutes Erkl\u00e4rungsmodell f\u00fcr intuitive Empathie zu sein \u2013 und tats\u00e4chlich wurden Hinweise gefunden, dass man auch beim Menschen von der Existenz von Spiegelneuronen ausgehen kann.<\/p>\n<p>Dieses Modell ist allerdings keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die eingangs zitierte Fragestellung, ob neben <em>Leitlinien <\/em>auch <em>\u00e4rztliche Erfahrung und Intuition<\/em> zum Ziel f\u00fchren. Allerdings macht das Wissen um den Mechanismus der Spiegelneurone deutlich, warum \u00c4rzte im Kontakt mit ihren Patienten sehr wohl auf Ihre Empathie achten sollten.<\/p>\n<p>Weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.psychophysik.com\/integral-blog\/?p=424\" target=\"_blank\"><strong>Erkl\u00e4rungsmodelle: Intuitive Empathie &amp; die Welt der Spiegelneuronen<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Wieso in der Kommunikation und Interaktion mit Patienten (und nat\u00fcrlich auch mit Kollegen) und beim sonstigen \u00e4rztlichen Handeln vage Gef\u00fchle, K\u00f6rperwahrnehmungen, innere Bilder und Stimmen eine zentrale Rolle spielen, wissen wir mittlerweile durch das vierte Erkl\u00e4rungsmodell:<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #333399;\">4. Somatische Marker<\/span><\/h2>\n<p>Der Begriff stammt von dem amerikanischen Neurologen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ant%C3%B3nio_Dam%C3%A1sio\" target=\"_blank\">Antonio Damasio<\/a> und meint ganz allgemein eine den K\u00f6rper betreffende Wahrnehmung. Dabei k\u00f6nnen alle K\u00f6rperempfindungen, Gef\u00fchle und sogar innere Bilder oder Stimmen als somatische Marker fungieren. Somatische Marker lenken die Aufmerksamkeit entweder auf ein positives oder negatives Erlebnis, \u201cdas eine bestimmte Handlungsweise nach sich ziehen kann.\u201d (Damasio 1997). Auf diese Weise nehmen wir eine K\u00f6rperempfindung zum Beispiel als intuitives Start- oder Stoppsignal bez\u00fcglich einer bestimmten Entscheidung wahr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Antonio Damasio\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/095_Antonio_Damasio.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"234\" \/><br \/>\n<em>Foto: Antonio Damasio &#8211; Quelle: WIKIMEDIA COMMONS<\/em><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><br \/>\nDamit sind die Somatischen Marker das Bindeglied zwischen der unbewusst ablaufenden Wahrnehmung und Informationsverarbeitung einerseits und unserer bewussten Entscheidungsprozessen andererseits. Denn irgendwie muss die unbewusst ablaufende Intuition ins Bewusstsein kommen. Und das geschieht durch jene Somatischen Marker, die wir landl\u00e4ufig schon lange als \u201eBauchgef\u00fchl\u201c beschrieben haben. Das Konzept der Somatischen Marker macht aber vor allem eines deutlich:<\/p>\n<p>Sobald die bewusste Verarbeitung emotionaler Prozesse gest\u00f6rt ist, kommt es, wie in verschiedenen F\u00e4llen von Damasio klinisch analysiert und dokumentiert, zu einer Art Entscheidungsl\u00e4hmung. Die betroffenen Personen bleiben stecken in der Meta-Entscheidung, sich jetzt nicht zu entscheiden. Und zwar vollkommen unabh\u00e4ngig davon, wie wichtig die anstehende Entscheidung ist.<\/p>\n<p>Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang Damasios Fallstudie \u201eElliot\u201c, einem ehedem \u00e4u\u00dferst intelligenten und erfolgreichen Manager, der nach einer Operation aufgrund eines Hirntumors die bewusste Verarbeitung seiner Emotionen einb\u00fc\u00dfte. Der Effekt war verheerend. Zuerst wurde Elliot arbeitslos, fand danach keine dauerhafte Anstellung mehr, geriet als Selbstst\u00e4ndiger in die H\u00e4nde von Betr\u00fcgern, wurde aufgrund der Initiative seiner Frau geschieden und hatte zu guter Letzt noch die Steuerfahndung auf den Fersen. Das alles, weil er keine sinnvollen Entscheidungen mehr treffen konnte und im zwischenmenschlichen Kontakt nicht mehr in der Lage war, Freund und Feind zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.psychophysik.com\/integral-blog\/?p=593\" target=\"_blank\"><strong>Erkl\u00e4rungsmodelle: Somatische Marker<\/strong><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<p><strong>Zusammenfassend l\u00e4sst sich also sagen, dass \u00e4rztliche Intuition auf neurologischen und kognitionspsychologischen Mechanismen beruht. \u00dcber diese verf\u00fcgt erstens jeder Mensch und zweitens sind sie \u00fcberhaupt die Grundlage erfolgreicher (rationaler) Entscheidungen. Dies ist auch durch einige Publikationen speziell \u00fcber Intuition in der Medizin dokumentiert, die bis hin zu Untersuchungen \u00fcber intuitive Entscheidungen beim intraoperativen Vorgehen reichen (s. Literaturverzeichnis).<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Artikel sind indes noch nicht die m\u00f6glichen <span style=\"color: #993300;\"><strong>Probleme durch intuitive Entscheidungen<\/strong><\/span> zur Sprache gekommen, die ich als \u201eIntuitionsfallen\u201c bezeichne und die nat\u00fcrlich im Rahmen professioneller Entscheidungs-Kompetenz und -Kultur reflektiert und m\u00f6glichst minimiert werden sollten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #333399;\">Allgemein<\/span><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3453615018\/ref=as_li_tf_til?tag=clausfritzsch-21&amp;camp=1410&amp;creative=6378&amp;linkCode=as1&amp;creativeASIN=3453615018&amp;adid=0YK9JEZ3NK8W9N40BBYS&amp;\" target=\"_blank\"><strong>Bauer, J. (2006):<\/strong> Warum ich f\u00fchle, was du f\u00fchlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hamburg: Hoffmann und Campe<\/a><br \/>\n<strong>Ciompi, L. (1997):<\/strong> Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<br \/>\n<strong>Damasio (1997):<\/strong> Descartes Irrtum. F\u00fchlen, Denken und das menschliche Gehirn. M\u00fcnchen: dtv<br \/>\nDreyfus, H. und Dreyfus, S. (1988): K\u00fcnstliche Intelligenz. Von den Grenzen der Denkmaschine und dem Wert der Intuition. rororo<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3570009378\/ref=as_li_tf_til?tag=clausfritzsch-21&amp;camp=1410&amp;creative=6378&amp;linkCode=as1&amp;creativeASIN=3570009378&amp;adid=1N7K0QXXYJSM2BKWY7YK&amp;\" target=\"_blank\"><strong>Gigerenzer, G. (2007): <\/strong>Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. M\u00fcnchen: Bertelsmann<\/a><br \/>\n<strong>Polanyi, M. 1985:<\/strong> Implizites Wissen. Suhrkamp<\/p>\n<h3><span style=\"color: #333399;\">Intuition in der Medizin<\/span><\/h3>\n<p><strong>Ausfeld-Hafter, B. (Hg) (1999):<\/strong> Intuition in der Medizin. Grundfragen zur Erkenntnisgewinnung. Bern: Lang<br \/>\n<strong>Bechera, A. (2001):<\/strong> Neurobiology of decision-making: Risk and reward. Seminars in Clinical Neuropsychiatry, 6(3), 205-216<br \/>\n<strong>Rothmund, M.; Lorenz, W. (1990): <\/strong>Einfl\u00fcsse der Intuition auf Indikationsstellung und intraoperatives Vorgehen. Langenbecks Archiv Chirurgie, Suppl. II, 1297-1302<br \/>\n<strong>Speich, R. (1997):<\/strong> Der diagnostische Prozes in der Inneren Medizin: Entscheidungsanalyse oder Intuition. Schweizer Medizinische Wochenschrift, 127, 1263-1279<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.a-zeuch.de\/uploadverzeichnisse\/downloads\/Zeuch_2008_Aerztliche_Intuition_Teil1.pdf\" target=\"_blank\"><strong>Zeuch, A. (2008):<\/strong> \u00c4rztliche Intuition. Teil 1: Intuition verstehen und als wertvolle Ressource nutzen. Frauenarzt, 49(3): 280-283<\/a><br \/>\n<strong>Zeuch, A. (2008):<\/strong> \u00c4rztliche Intuition. Teil 2: Die eigene Intuition professionalisieren. Frauenarzt, 49(4)<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h2>\u00dcber den Autor<\/h2>\n<p>Dr. Andreas Zeuch ist Gr\u00fcndungspartner der <a href=\"http:\/\/www.sinnvoll-entscheiden.de\/\" target=\"_blank\">beratergruppe sinnvoll \u2022 wirtschaften<\/a>. Er promovierte 2003 zum \u201eTraining professioneller Intuition\u201c an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Seit 1999 ver\u00f6ffentlicht er zahlreiche Artikel, sowie ein eigenes <a href=\"http:\/\/www.psychophysik.com\/integral-blog\/\" target=\"_blank\">Weblog<\/a> und ein <a href=\"http:\/\/www.dasabenteuerleben.de\/index.php?id=11&amp;oid=237\" target=\"_blank\">Podcast<\/a> \u00fcber professionelle Intuition und den Umgang mit Unsicherheit und Unplanbarkeit. 2010 erschien sein aktuelles Buch <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3527504672\/ref=as_li_tf_til?tag=clausfritzsch-21&amp;camp=1410&amp;creative=6378&amp;linkCode=as1&amp;creativeASIN=3527504672&amp;adid=01GGHESZ94T6936EMZFV&amp;\" target=\"_blank\"><strong>\u201eFeel it! Soviel Intuition vertr\u00e4gt Ihr Unternehmen\u201c<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Zeuch sammelte vor seiner Beratert\u00e4tigkeit mehrere Jahre klinische Erfahrung als Musiktherapeut in der Onkologie, Psychiatrie und im Strafvollzug. 2001 &#8211; 2003 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universit\u00e4tsklinik Heidelberg f\u00fcr die Curriculumsentwicklung mitverantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Homepage:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.a-zeuch.de\/index.php\" target=\"_blank\">www.a-zeuch.de<\/a><br \/>\n<strong>E-Mail:<\/strong> <a href=\"mailto:az@a-zeuch.de\" target=\"_blank\">az@a-zeuch.de<\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/\" target=\"_self\"><strong>Home<\/strong><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. Juni 2011 erschien in diesem Blog ein Artikel \u00fcber die Rolle des Wissens bei \u00e4rztlichen Leitlinien. 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