{"id":1494,"date":"2011-02-02T15:16:22","date_gmt":"2011-02-02T15:16:22","guid":{"rendered":"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/?p=1494"},"modified":"2011-02-02T15:33:42","modified_gmt":"2011-02-02T15:33:42","slug":"schulmedizin-und-alternativmedizin-der-dialog-hat-begonnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/?p=1494","title":{"rendered":"Schulmedizin und Alternativmedizin: der Dialog hat begonnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Schulmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckende Erfolge im Kampf gegen viele Krankheiten erzielen k\u00f6nnen. Dennoch setzen Millionen Deutsche und mit ihnen viele \u00c4rztinnen und \u00c4rzte auch auf alternativmedizinische Heilverfahren. In der Vergangenheit standen sich Schul- und Alternativmediziner oft unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber, doch gibt es nun auch Versuche einer Ann\u00e4herung.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Rheinisches \u00c4rzteblatt\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/052_Rheinisches_Aerzteblatt.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"175\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Der Folgende Artikel wurde urspr\u00fcnglich im <\/em><em><strong>Rheinischen \u00c4rzteblatt <\/strong>(Januar 2011) publiziert. <\/em><\/span><em><span style=\"color: #808080;\">Das Rheinische \u00c4rzteblatt ist das offizielle Mitteilungsblatt der <a href=\"http:\/\/www.aekno.de\/\" target=\"_blank\">\u00c4rztekammer Nordrhein<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.kvno.de\/\" target=\"_blank\">Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung Nordrhein<\/a> f\u00fcr den Landesteil Nordrhein (Regierungsbezirke K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf). Die \u00c4rztekammer Nordrhein ist die berufliche Vertretung f\u00fcr 52.000 \u00c4rztinnen und \u00c4rzte im Rheinland<br \/>\n<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000;\"><strong>von B\u00fclent Erdogan-Griese<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr die einen ist sie Scharlatanerie, bestenfalls unsch\u00e4dlicher Hokuspokus. F\u00fcr die anderen ist sie ein zu Unrecht verschm\u00e4hter, im Zuge der Technisierung versch\u00fctteter Teil der medizinischen Kunst: Seit Jahrzehnten schwelt in Deutschland ein mitunter dogmatisch gef\u00fchrter Streit um die Alternativmedizin und ihre Relevanz, ihre Chancen und Grenzen in einer schulmedizinisch und naturwissenschaftlich gepr\u00e4gten Gesundheitsversorgung. Lange Zeit standen sich Bef\u00fcrworter und Gegner einer Medizinrichtung, die auch als Komplement\u00e4rmedizin firmiert, unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Doch seit einigen Jahren entwickelt sich ein Dialog, der auch der Wirklichkeit Rechnung tr\u00e4gt: Etwa jeder zweite Deutsche hat Sch\u00e4tzungen zufolge zumindest schon einmal alternativmedizinische Methoden ausprobiert. Nach Angaben des Deutschen Zentralvereins hom\u00f6opathischer \u00c4rzte praktizieren fast 60 Prozent der Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte eine oder mehrere Methoden der Komplement\u00e4rmedizin. Etwa 60.000 \u00c4rztinnen und \u00c4rzte haben eine Zusatzweiterbildung in Naturheilverfahren, Hom\u00f6opathie, Akupunktur oder Chirotherapie. Um Schulmedizin und Alternativmedizin wieder st\u00e4rker in Kontakt miteinander zu bringen, gr\u00fcndete im Jahr 2000 ein Kreis von \u00c4rzten und Wissenschaftlern bei der \u00c4rztekammer Nordrhein in D\u00fcsseldorf das \u201eDialogforum Pluralismus in der Medizin\u201c. Zu den Initiatoren geh\u00f6rt auch der Pr\u00e4sident der \u00c4rztekammer Nordrhein und der Bundes\u00e4rztekammer, Professor Dr. J\u00f6rg-Dietrich Hoppe. Anfang 2010 zog das Dialogforum nach Berlin um und ist seitdem bei der Bundes\u00e4rztekammer angesiedelt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Maximal<\/strong> 40 Prozent der Medizin sei evidenzbasiert und finde sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in wissenschaftlichen Leitlinien wieder, sagte Hoppe bei der Feier zum zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Forums in der Hauptstadt. Bei der Behandlung komme es neben der schulmedizinischen Expertise immer auch auf Erfahrung und Pers\u00f6nlichkeit des Arztes an. H\u00e4ufig sei es im Sinne des Patienten, komplement\u00e4rmedizinische Verfahren zumindest zu besprechen. Nach Ansicht Hoppes, der der Alternativmedizin als Medizinstudent selbst mit Skepsis begegnete, h\u00e4ngen Heilerfolge n\u00e4mlich nicht nur von der Qualit\u00e4t der Intervention einer technisch entwickelten Medizin ab. Von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr den Heilerfolg seien eben auch die seelischen Bedingungen und sozialen Umst\u00e4nde sowie begleitende und st\u00fctzende komplement\u00e4re Therapien, auch im Sinne der Aktivierung der Selbstheilungskr\u00e4fte des Patienten. Krankheiten und Heilungsprozesse haben f\u00fcr den \u00c4rztepr\u00e4sidenten demnach auch eine \u201eau\u00dfernaturwissenschaftliche Dimension\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Prof. Dr. J\u00f6rg-Dietrich Hoppe: Krankheiten und Heilungsprozesse haben auch eine \u201eau\u00dfernaturwissenschaftliche Dimension\u201c\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/053_Prof_Joerg-Dietrich_Hoppe_Zitat_1.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"245\" \/><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">\u201eVeradministrierte Behandlungsumwelt\u201c<\/span><\/h2>\n<p>Viele Patienten jedenfalls w\u00fcnschen sich laut Hoppe eine komplement\u00e4rmedizinische Behandlung. Doch noch seien die Weichen hierf\u00fcr politisch nicht gestellt. \u201eEin hom\u00f6opathisch t\u00e4tiger Arzt besch\u00e4ftigt sich mit einem Patienten beim ersten Kontakt eine halbe bis dreiviertel Stunde\u201c, sagte Hoppe, \u201eso viel Zeit hat ein Vertragsarzt im schulmedizinischen Sektor nicht. Der muss innerhalb von f\u00fcnf bis zehn Minuten ein Behandlungskonzept ausarbeiten.\u201c \u00c4rztinnen und \u00c4rzte m\u00fcssten sich heute einer vom Staat \u201everadministrierten Behandlungsumwelt\u201c stellen und sich beispielsweise mit Disease-Management-Programmen oder Fallpauschalen auseinandersetzen. Als Konsequenz dieser Entwicklung bleibt f\u00fcr Hoppe die zwischenmenschliche Dimension des Arzt-Patienten-Kontakts &#8211; und so ein wesentlicher Wirkfaktor \u00e4rztlicher T\u00e4tigkeit und Heilkunst &#8211; auf der Strecke. Dabei sei die Medizin in erster Linie eine Erfahrungswissenschaft.<\/p>\n<p><strong>Auch<\/strong> Professor Dr. Stefan N. Willich, Direktor des Instituts f\u00fcr Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheits\u00f6konomie der Berliner Universit\u00e4tsklinik Charit\u00e9, setzt sich f\u00fcr eine Verst\u00e4ndigung zwischen Schul- und Alternativmedizinern ein. Die Frontstellung der vergangenen Jahrzehnte ist seiner Ansicht nach zuallererst auf Kosten der Patienten gegangen: \u201eDas f\u00fchrte dazu, dass sich der Patient im besten Fall entscheiden musste, ob er zum Schulmediziner oder zum Alternativmediziner gehen soll. Im schlimmsten Fall geriet er zwischen die St\u00fchle\u201c, sagte Willich. So h\u00e4tten sich Patienten fr\u00fcher oft nicht getraut, ihrem Hom\u00f6opathen davon zu berichten, dass sie nat\u00fcrlich gleichzeitig auch schulmedizinische Angebote in Anspruch n\u00e4hmen &#8211; und umgekehrt.<\/p>\n<p><strong>Um<\/strong> das langfristig und nachhaltig zu \u00e4ndern, setzt sich Willich daf\u00fcr ein, dass Medizinstudenten schon fr\u00fch in ihrer Ausbildung objektiv \u00fcber M\u00f6glichkeiten beider Medizinzweige informiert werden. Er w\u00fcnscht sich zudem einen Unterricht, der st\u00e4rker auf die Empathief\u00e4higkeit der Studenten abzielt. Ziel sei eine integrative Medizin, zum Beispiel durch die Kooperation von Schul- und Komplement\u00e4rmedizinern in Fallkonferenzen, wie dies an der Charit\u00e9, Europas gr\u00f6\u00dfter Uniklinik, bereits der Fall ist. Die Etablierung eines Facharztes f\u00fcr Integrative Medizin strebt Willich dagegen ausdr\u00fccklich nicht an.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dialogforum-medizin.org\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" title=\"Dialogforum Pluralismus in der Medizin\" src=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/images\/054_dialogforum_pluralismus_in_der_medizin.jpg\" alt=\"\" width=\"418\" height=\"250\" \/><\/a><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Keine Therapie-Beliebigkeit<\/span><\/h2>\n<p>Doch ist der Nutzen von Osteopathie, Akupunktur oder Heilkr\u00e4uterkunde zu belegen? In der \u00f6ffentlichen Debatte ist das Thema weiter hei\u00df umstritten. \u201eR\u00fcckfall ins Mittelalter\u201c \u00fcberschrieb erst j\u00fcngst ein Nachrichtenmagazin seinen Beitrag \u00fcber die Hom\u00f6opathie. In Gro\u00dfbritannien kamen Kritiker dieser Methode in verschiedenen St\u00e4dten vor Apotheken zu einem Happening zusammen und versuchten, sich mit Arsenglobuli zu vergiften &#8211; dass dies nat\u00fcrlich nicht gelang, geh\u00f6rte zum Protest-Drehbuch. Und in Deutschland fordert Dr. Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Arzt, das Verbot von Hom\u00f6opathie-Wahltarifen in der Gesetzlichen Krankenversicherung.<\/p>\n<p><strong>Nach<\/strong> Ansicht von \u00c4rztepr\u00e4sident Hoppe ist es Aufgabe der \u00c4rzteschaft, unseri\u00f6se und fragw\u00fcrdige Therapien von sinnvollen abzugrenzen. Die Forderung nach einem Pluralismus in der Medizin will er also nicht als Aufruf zur Therapie-Beliebigkeit missverstanden wissen. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte blieben in ihrem Handeln der Wissenschaftlichkeit verpflichtet. Eine kritische Pr\u00fcfung von alternativen Therapien sei daher notwendig. Jedoch m\u00fcsse deren Methodik nicht eins zu eins der naturwissenschaftlich orientierten Universit\u00e4tsmedizin entsprechen, so Hoppe weiter. Das machten die Mitglieder des Dialogforums bereits im M\u00e4rz 2010 in einem Beitrag f\u00fcr das Deutsche \u00c4rzteblatt deutlich (Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A548-50). Grunds\u00e4tzlich erkennen sie darin die Bedeutung randomisierter klinischer Studien (RCTs) an. Gleichwohl machen sie darauf aufmerksam, dass RCTs h\u00e4ufig nicht realisierbar sind. So k\u00f6nnten wirtschaftliche oder ethische Gr\u00fcnde oder aber eine starke Therapiepr\u00e4ferenz bei \u00c4rzten und Patienten RCTs vereiteln. RCTs k\u00f6nnten zudem zu falschen Ergebnissen f\u00fchren, speziell bei Behandlungen, \u201edie von spezifischen professionellen Fertigkeiten abh\u00e4ngig sind\u201c. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nne die vorhandene Evidenz auch schon ohne RCT \u00fcberzeugend genug sein: \u201eEs ist deswegen in einem pluralistischen Spektrum von Therapiem\u00f6glichkeiten die best evidence nicht zwangsl\u00e4ufig die best therapy.\u201c<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend<\/strong> sich die Alternativmedizin trotzdem immer wieder Unwissenschaftlichkeit und Quacksalberei vorhalten lassen muss, k\u00f6nnen Misserfolge in der Schulmedizin kaum an deren Image kratzen &#8211; selbst wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass Medikamente trotz angeblich wissenschaftlicher Belege keinen Nutzen haben oder gar schwere Sch\u00e4den anrichten. Oder dass operiert wird, wo doch eher konservative Therapie eine Chance erhalten sollte. Hinzu kommt, dass der Komplement\u00e4rmedizin das Etikett anhaftet, reine Placebo-Medizin zu sein. Allerdings ist der Placebo-Effekt \u201emanchmal auch in der Schulmedizin erstaunlich stark\u201c, wie Professor Dr. Robert J\u00fctte sagte, der Leiter des Instituts f\u00fcr Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung. Auch laut Wissenschaftlichem Beirat der Bundes\u00e4rztekammer ist der Placebo-Effekt jeder Standard-Therapie immanent.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Fehlende Forschungsgelder<\/span><\/h2>\n<p>Das vielleicht noch gr\u00f6\u00dfere Dilemma ist, dass Forschung auf dem Gebiet der Alternativmedizin ein Steckenpferd privater Institutionen wie der Karl und Veronica Carstens-Stiftung oder der Robert Bosch Stiftung ist. Leider habe sich der Bund in den neunziger Jahren aus der Forschungsf\u00f6rderung zur\u00fcckgezogen, so J\u00fctte. Und die Industrie, die 80 Prozent der medizinischen Forschung finanziere, habe kein Interesse, einzuspringen. Um Forschung in der Komplement\u00e4rmedizin auf hohem Niveau zu betreiben, etwa mittels sogenannter Health-Technology-Assessments (HTA), m\u00fcsse der Staat wieder Mittel bereitstellen, forderte J\u00fctte.<\/p>\n<p><strong>Dass<\/strong> verschiedene alternativmedizinische Behandlungskonzepte, etwa die Akupunktur, wirken, davon ist J\u00fcttes Mitstreiter Stefan Willich \u00fcberzeugt. Nur das Warum sei, auch angesichts der bisher kaum stattfindenden alternativmedizinischen Forschung, noch immer in weiten Teilen unklar. Zehn Jahre nach der Gr\u00fcndung des Dialogforums in D\u00fcsseldorf geht es Willich um die Etablierung der Komplement\u00e4rmedizin bei den gesundheitspolitischen Entscheidungstr\u00e4gern auf Bundesebene &#8211; und damit auf lange Sicht auch um eine ideelle wie finanzielle Absicherung sinnvoller Verfahren und Methoden bis hin zu Erstattungsregelungen. Vorstellbar sei auch eine Harmonisierung der Alternativmedizin auf europ\u00e4ischer Ebene.<\/p>\n<p><strong>Willich<\/strong> r\u00e4umte ein, dass die unterschiedlichen komplement\u00e4rmedizinischen Schulen anders als die Schulmedizin derzeit noch nicht \u00fcber eine einheitliche Terminologie verf\u00fcgen. Dies f\u00fchre mitunter bis zur Unf\u00e4higkeit, miteinander zu kommunizieren. Ebenso fehle ein gemeinsames Qualit\u00e4tsmanagement, sagte er. Positiv sei, dass die Komplement\u00e4rmedizin den ganzen Menschen und seine Leiden in den Fokus nehme \u2013 und dabei auch Gesamttherapiesysteme beleuchte. In einer von zunehmender Multimorbidit\u00e4t gepr\u00e4gten Gesellschaft sieht er darin substanzielle Vorteile und wirbt um eine Synthese beider Richtungen. Willich: \u201eIch glaube, beide Lager haben St\u00e4rken und Schw\u00e4chen und k\u00f6nnen voneinander lernen.\u201c<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Ende des \u201eKalten Krieges\u201c?<\/span><\/h2>\n<p>Nach Ansicht des Philosophen Dr. Gerd B. Achenbach verbindet Schulmediziner und Komplement\u00e4rmediziner ohnedies mehr, als ihnen im Widerstreit des Alltags bewusst ist. Achenbach ist Lehrpraktiker der \u201eInternationalen Gesellschaft f\u00fcr Philosophische Praxis\u201c. Es sei die Schulmedizin selbst, die der Alternativmedizin \u201eden Weg bereitet und sie als kaum verzichtbare Erg\u00e4nzung n\u00f6tig macht\u201c, sagte Achenbach bei seinem Festvortrag (Titel: \u201eAussichten auf ein Ende des Kalten Krieges im Reich der Medizin\u201c) zum zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Forums. Auf der anderen Seite bed\u00fcrfe die Alternativmedizin als die der vormodernen Medizin n\u00e4her stehende \u201eweiche\u201c Heilkunst der wissenschaftlich etablierten Medizin, \u201eund sei es zur Kontrolle\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201eJe<\/strong> erfolgreicher die Medizin in ihrem Kampf gegen die Krankheiten ist, desto mehr Kranke erzeugt sie\u201c, so Achenbach, der dies als \u201eKulissen-Effekt\u201c bezeichnet. Schieben \u00c4rztinnen und \u00c4rzte eine Krankheit beiseite, erscheint auf der B\u00fchne des Lebens die n\u00e4chste. \u201eIn dem Ma\u00dfe, in dem Herz-Kreislauf-Krankheiten beherrschbar werden, in dem Ma\u00dfe werden die Patienten nun umso wahrscheinlicher Opfer eines Karzinoms. Und werden in der Onkologie weitere Erfolge erzielt, was absehbar ist, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, als \u00e4lterer Patient an der Parkinsonschen oder der Alzheimer-Krankheit zu erkranken.\u201c Die Medizin k\u00f6nne also nur relative Siege im Kampf gegen den Tod erringen, am Ende geh\u00f6re doch dem Tod \u201edas letzte Wort\u201c.<\/p>\n<p><strong>Im <\/strong>Angesicht der nicht mehr handhabbaren \u201eletzten\u201c Krankheit erstarre  der Mensch vor einer \u201ekalten Welt der Technik der Apparate\u201c, die ihm  nun als \u201eInkarnation des Todes\u201c selbst erscheine und ihn erschrecke.  \u201eDer medizinische Kampf gegen den Tod ,bis zum letzten Atemzug\u2018  erscheint jetzt seinerseits als t\u00f6dliche Bedrohung, der Tod selbst  hingegen avanciert zum Retter aus den Griffen einer als fatal  empfundenen, unbarmherzigen Maschinerie, die den Sterbenden ,seinen\u2018 Tod  nicht sterben lasse\u201c, so Achenbach. Folge sei eine Hinwendung des  Menschen zu einer \u201esanften, verst\u00e4ndnisbereiten, menschlich  teilnehmenden Heilkunst\u201c, w\u00e4hrend die Spitzenmedizin dazu f\u00fchre, dass  sich der Mensch als \u201efragmentarisiert\u201c empfinde.<\/p>\n<p><strong>Die<\/strong> wissenschaftlich approbierte Medizin k\u00f6nne daher \u201egut beraten  sein, wenn sie so viel wie eben m\u00f6glich und gestattet ist von jener  anderen Medizin und Heilkunst f\u00fcr sich selber \u00fcbern\u00e4hme, wenn sie (\u2026)  wieder integrierte, was sie selber exilierte, was sie aus dem Weg  ger\u00e4umt, ausgeklammert und nach und nach vergessen, dem Fortschritt  geopfert hat. Denn: In der anderen Heilkunst begegnet sie sich selbst,  und zwar als die, als die sie sich im Zuge ihrer Selbstverpflichtung auf  Modernit\u00e4t und Wissenschaft verlieren musste.\u201c<\/p>\n<p><strong>Mit<\/strong> einem Bild aus Goethes \u201eMaximen und Reflexionen\u201c (Nr. 1315) warb Achenbach um eine Vers\u00f6hnung von Schul- und Alternativmedizin. Darin hei\u00dft es: \u201eJedem Alter des Menschen antwortet eine gewisse Philosophie. Das Kind erscheint als Realist; denn es findet sich so \u00fcberzeugt von dem Dasein der Birnen und \u00c4pfel als von dem seinigen. Der J\u00fcngling, von innern Leidenschaften best\u00fcrmt, mu\u00df auf sich selbst merken, sich vorf\u00fchlen: er wird zum Idealisten umgewandelt. Dagegen ein Skeptiker zu werden, hat der Mann alle Ursache; er tut wohl, zu zweifeln, ob das Mittel, das er zum Zwecke gew\u00e4hlt hat, auch das rechte sei. Vor dem Handeln, im Handeln hat er alle Ursache, den Verstand beweglich zu erhalten, damit er nicht nachher sich \u00fcber eine falsche Wahl zu betr\u00fcben habe. Der Greis jedoch wird sich immer zum Mystizismus bekennen. Er sieht, da\u00df so vieles vom Zufall abzuh\u00e4ngen scheint: das Unvern\u00fcnftige gelingt, das Vern\u00fcnftige schl\u00e4gt fehl, Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck stellen sich unerwartet ins gleiche; so ist es, so war es, und das hohe Alter beruhigt sich in dem, der da ist, der da war und der da sein wird.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u201eK\u00f6nnte<\/strong> es wohl sein\u201c, so Achenbach, \u201edass die ordentliche, die offizielle Medizin jener Haltung und Philosophie entspricht, die hier, bei Goethe, vom Erwachsenen vertreten wird? Und k\u00f6nnte wohl manches von dem, was sich als alternativ dazu im Reich der Medizin bewegt, jenem Mystizismus des Greisenalters verwandter sein, einem Greisenalter, in dem, wie wir wissen, so manches Kindliche noch einmal wiederkehrt?\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Dialogforum im Internet: <a href=\"http:\/\/www.dialogforum-medizin.org\/\" target=\"_blank\">www.dialogforum-medizin.org<\/a><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/dzvhae-homoeopathie-blog.de\/\" target=\"_self\">Home<\/a><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">x<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schulmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckende Erfolge im Kampf gegen viele Krankheiten erzielen k\u00f6nnen. Dennoch setzen Millionen Deutsche und mit ihnen viele \u00c4rztinnen und \u00c4rzte auch auf alternativmedizinische Heilverfahren. 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